Möbel·Europäisches Kunsthandwerk·Gemälde

Kunsthandel Peter Mühlbauer
Schloss Schönburg | 94060 Pocking
Telefon +49 (0)8531 - 18 15 | Fax +49 (0)8531 - 133 00
petermuehlbauer@t-online.de | www.kunsthandel-muehlbauer.com

Möbel·Europäisches Kunsthandwerk·Gemälde

Ein wiederentdeckter königlicher Schreibtisch

von dem württembergischen Hofebenisten Johannes Klinckerfuß (1770-1831)

Mahagoni furniert auf Kiefer u. Eiche; feuervergoldete Bronzebeschläge; die ovalen Porzellanmedaillons auf der Rückseite bez. „CAM 1825”. Rückseitig Inventaretiketten

120,5 x 139,5 x 80 cm

Die Porzellanplaketten beider Möbel wurden von der württembergischen Königin-Witwe Charlotte Auguste Mathilde selbst in Grisaille-Technik bemalt und von Klinckerfuß in diese eingearbeitet. Etagère und Sekretär wurden von der Privatschatulle der Königin finanziert, da es persönliche Geschenke an ihren Stiefsohn König Wilhelm I. waren.

Schon auf den ersten Blick offenbart sich das in höchster Perfektion ausgeführte, mahagonifurnierte, mit vergoldeten Bronzen und Porzellanplaketten verzierte Möbelstück als höfisches Möbel. Der sich hier par excellence präsentierende „moderne Empire-Stil” ist charakteristisch für den württembergischen Hofebenisten Johannes Klinckerfuß. Aufgrund seiner in der schon damals weltberühmten Roentgen-Manufaktur perfektionierten Fähigkeiten wurde er zur Neugestaltung der Schlösser in Stuttgart und Ludwigsburg 1795 an den württembergischen Hof als „Kabinett-Ebenist” berufen und erhielt Mitte der 1820er Jahre zahlreiche Aufträge von der Königin-Witwe Charlotte Mathilde (1766-1828).

Die auf den Türfeldern des Schreibtisches eingearbeiteten Porzellan-Medaillons in Grisaille-Technik sind auf der Rückseite mit „CAM 1825” bezeichnet. Dabei steht das Monogramm für Charlotte Auguste Mathilde, die Zahl für das Herstellungsjahr in der Ludwigsburger Porzellanmanufaktur.
Auf der Rückseite des Schreibtisches befindet sich ein altes Papieretikett „Privat-Eigentum Ihrer Majestät Königen von Württemberg”, welches nach dem Tod der Königin auf die zum persönlichen Eigentum gehörenden Objekte aufgeklebt wurde, um diese vom Krongut- Mobiliar zu trennen.

Nicht nur als standesgemäßer Zeitvertreib wurde von Charlotte Mathilde die Malerei betrieben, sondern die Königin gab hiermit auch ihrem Kulturverständnis in biedermeierlicher Weise Ausdruck. Als Tochter des englischen Königs George III. lernte sie schon in England unter dem amerikanischen Künstler Benjamin West, der ab 1772 Hofmaler war, Zeichnen und Malen. Sie heiratete 1797 den Herzog von Württemberg, den späteren Kurfürsten und seit 1806 König Friedrich I. von Württemberg.
Die von ihr dann später am Stuttgarter und Ludwigsburger Hof selbst bemalten Porzellan-Platten wurden von ihr auf der Rückseite monogrammiert, datiert und von dem Hofebenisten Johannes Klinckerfuß in vergoldete Bronze gefasst und in Möbel eingearbeitet, welche für den Hof selbst oder als persönliche Geschenke bestimmt waren. So befindet sich sogar in Schloss Pawlowsk / St. Petersburg ein Sekretär mit Porzellanplaketten der Königin.

Da in allen untersuchten archivalischen Quellen keine Belege zum Ankauf des Schreibtisches bei Klinckerfuß durch die Staatskasse für das königliche Haus zu finden sind, liegt es nahe, dass es sich bei dem Möbel um ein persönliches Geschenk an ihren Stiefsohn Wilhelm I handelte, das aus der Privatschatulle der Königin-Witwe selbst finanziert wurde. Mit König Wilhelms Tod kam 1864 der Schreibtisch in den Besitz seiner Tochter Prinzessin Auguste, welche in das Haus Sachsen-Weimar-Eisenach einheiratete.

Ein zweites, englisches Etikett „MAPLE´S DEPOSITORY VON OSTHEIM” aus der Mitte des 20. Jahrhunderts auf dem Möbel gibt schließlich Aufschluss darüber, was dann mit dem Stück passierte. So vermachte Auguste die Möbel ihrem Sohn Wilhelm, dieser wiederum seinem erstgeborenen Sohn Hermann, dem Urenkel des württembergischen Königs, welcher 1909 eine Bürgerliche heiratete, somit seinen königlichen Titel verlor und zum Grafen von Ostheim wurde. Mit seiner Übersiedlung in den 1930er Jahren kam der Schreibtisch nach Großbritannien. Als 1964 das Paar bei einem Autounfall kinderlos starb, entstand ein juristisches Vakuum, was deren Eigentum betraf und so wurde es in „Maple’s Depository” eingelagert, worauf das königliche Möbel und dessen Geschichte fast 50 Jahre in Vergessenheit gerieten.
Erst vor kurzem, bei der Versteigerung der Lagerbestände in der englischen Provinz, konnte das königliche Möbel von uns erworben, restauriert und dessen bedeutende Provenienz recherchiert werden.

 

Provenienz:
– C. A. Mathilde, Königin-Witwe;
– König Wilhelm I. von Württemberg;
– Prinzessin Auguste von Sachsen-Weimar-Eisenach;
– Prinz Wilhelm von Sachsen-Weimar-Eisenach;
– Prinz Hermann von Sachsen-Weimar-Eisenach, ab 1909 Graf von Ostheim

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Ein wiederentdeckter königlicher Schreibtisch

Ein wiederentdeckter königlicher Schreibtisch Ein wiederentdeckter königlicher Schreibtisch Ein wiederentdeckter königlicher Schreibtisch Ein wiederentdeckter königlicher Schreibtisch Ein wiederentdeckter königlicher Schreibtisch

Ein wiederentdeckter königlicher Schreibtisch

von dem württembergischen Hofebenisten Johannes Klinckerfuß (1770-1831)

Mahagoni furniert auf Kiefer u. Eiche; feuervergoldete Bronzebeschläge; die ovalen Porzellanmedaillons auf der Rückseite bez. „CAM 1825”. Rückseitig Inventaretiketten

120,5 x 139,5 x 80 cm

Die Porzellanplaketten beider Möbel wurden von der württembergischen Königin-Witwe Charlotte Auguste Mathilde selbst in Grisaille-Technik bemalt und von Klinckerfuß in diese eingearbeitet. Etagère und Sekretär wurden von der Privatschatulle der Königin finanziert, da es persönliche Geschenke an ihren Stiefsohn König Wilhelm I. waren.

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Schon auf den ersten Blick offenbart sich das in höchster Perfektion ausgeführte, mahagonifurnierte, mit vergoldeten Bronzen und Porzellanplaketten verzierte Möbelstück als höfisches Möbel. Der sich hier par excellence präsentierende „moderne Empire-Stil” ist charakteristisch für den württembergischen Hofebenisten Johannes Klinckerfuß. Aufgrund seiner in der schon damals weltberühmten Roentgen-Manufaktur perfektionierten Fähigkeiten wurde er zur Neugestaltung der Schlösser in Stuttgart und Ludwigsburg 1795 an den württembergischen Hof als „Kabinett-Ebenist” berufen und erhielt Mitte der 1820er Jahre zahlreiche Aufträge von der Königin-Witwe Charlotte Mathilde (1766-1828).

Die auf den Türfeldern des Schreibtisches eingearbeiteten Porzellan-Medaillons in Grisaille-Technik sind auf der Rückseite mit „CAM 1825” bezeichnet. Dabei steht das Monogramm für Charlotte Auguste Mathilde, die Zahl für das Herstellungsjahr in der Ludwigsburger Porzellanmanufaktur.
Auf der Rückseite des Schreibtisches befindet sich ein altes Papieretikett „Privat-Eigentum Ihrer Majestät Königen von Württemberg”, welches nach dem Tod der Königin auf die zum persönlichen Eigentum gehörenden Objekte aufgeklebt wurde, um diese vom Krongut- Mobiliar zu trennen.

Nicht nur als standesgemäßer Zeitvertreib wurde von Charlotte Mathilde die Malerei betrieben, sondern die Königin gab hiermit auch ihrem Kulturverständnis in biedermeierlicher Weise Ausdruck. Als Tochter des englischen Königs George III. lernte sie schon in England unter dem amerikanischen Künstler Benjamin West, der ab 1772 Hofmaler war, Zeichnen und Malen. Sie heiratete 1797 den Herzog von Württemberg, den späteren Kurfürsten und seit 1806 König Friedrich I. von Württemberg.
Die von ihr dann später am Stuttgarter und Ludwigsburger Hof selbst bemalten Porzellan-Platten wurden von ihr auf der Rückseite monogrammiert, datiert und von dem Hofebenisten Johannes Klinckerfuß in vergoldete Bronze gefasst und in Möbel eingearbeitet, welche für den Hof selbst oder als persönliche Geschenke bestimmt waren. So befindet sich sogar in Schloss Pawlowsk / St. Petersburg ein Sekretär mit Porzellanplaketten der Königin.

Da in allen untersuchten archivalischen Quellen keine Belege zum Ankauf des Schreibtisches bei Klinckerfuß durch die Staatskasse für das königliche Haus zu finden sind, liegt es nahe, dass es sich bei dem Möbel um ein persönliches Geschenk an ihren Stiefsohn Wilhelm I handelte, das aus der Privatschatulle der Königin-Witwe selbst finanziert wurde. Mit König Wilhelms Tod kam 1864 der Schreibtisch in den Besitz seiner Tochter Prinzessin Auguste, welche in das Haus Sachsen-Weimar-Eisenach einheiratete.

Ein zweites, englisches Etikett „MAPLE´S DEPOSITORY VON OSTHEIM” aus der Mitte des 20. Jahrhunderts auf dem Möbel gibt schließlich Aufschluss darüber, was dann mit dem Stück passierte. So vermachte Auguste die Möbel ihrem Sohn Wilhelm, dieser wiederum seinem erstgeborenen Sohn Hermann, dem Urenkel des württembergischen Königs, welcher 1909 eine Bürgerliche heiratete, somit seinen königlichen Titel verlor und zum Grafen von Ostheim wurde. Mit seiner Übersiedlung in den 1930er Jahren kam der Schreibtisch nach Großbritannien. Als 1964 das Paar bei einem Autounfall kinderlos starb, entstand ein juristisches Vakuum, was deren Eigentum betraf und so wurde es in „Maple’s Depository” eingelagert, worauf das königliche Möbel und dessen Geschichte fast 50 Jahre in Vergessenheit gerieten.
Erst vor kurzem, bei der Versteigerung der Lagerbestände in der englischen Provinz, konnte das königliche Möbel von uns erworben, restauriert und dessen bedeutende Provenienz recherchiert werden.

 

Provenienz:
– C. A. Mathilde, Königin-Witwe;
– König Wilhelm I. von Württemberg;
– Prinzessin Auguste von Sachsen-Weimar-Eisenach;
– Prinz Wilhelm von Sachsen-Weimar-Eisenach;
– Prinz Hermann von Sachsen-Weimar-Eisenach, ab 1909 Graf von Ostheim