Möbel·Europäisches Kunsthandwerk·Gemälde

Kunsthandel Peter Mühlbauer
Schloss Schönburg | 94060 Pocking
Telefon +49 (0)8531 - 18 15 | Fax +49 (0)8531 - 133 00
petermuehlbauer@t-online.de | www.kunsthandel-muehlbauer.com

Möbel·Europäisches Kunsthandwerk·Gemälde

Vergoldeter Bronzetisch mit Platten aus Lapislazuli auf Carrara-Marmor-Sockel

St. Petersburg, um 1790

gefertigt in der kaiserlichen Manufaktur, der sog. „Bronzespedition”, wohl nach Entwürfen von Vicenzo Brenna (Florenz 1745 - 1820 St. Petersburg)

Höhe 74,9 cm, Ø 55,8 cm

Dieser Prunktisch leitet sich von dem seltenen Typus des table en gueridon à l’antique ab, welcher durch ein zweites, kleineres Tablar zwischen den drei Monopodien charakterisiert ist. Er ist im style étrusque ou arabesque gefertigt, einem Groteskenstil, der in Europa zwischen 1777 und 1800 aufkommt und auf romanische Vorbilder, die Mischwesenmotive darstellen, zurückgreift. Dieser Stil entsteht zuerst in Rom und verbreitet sich schnell über London (Robert Adam, Stuart, Revett) und Paris (Clérisseau, Bélanger, Dugourc) bis nach Sankt Petersburg (Cameron, Quarenghi, Brenna).

Der hier präsentierte Gueridon steht auf einem schweren, massiven Sockel aus Carrara- Marmor mit vergoldetem Bronzedekor und einer Metallplatte mit drei ‘englischen Rollen’ darunter – eine erfindungsreiche Konstruktion des 18. Jahrhunderts, die das Versetzen des Tisches ohne Anheben ermöglicht.

Die Platte besteht aus einer damals neu entdeckten Art russischen Lapislazulis, die auch als ‘Baikallasurit’ bekannt ist. Der Fundort befindet sich nordöstlich vom Baikalsee, der Steinbruch existierte seit 1784 und das Gestein konnte seit 1786 in der Schleifmühle von Kolyvan im Altaigebirge oder seit 1774 in der Schleifmühle von Jekaterinburg geschliffen und poliert werden, beide standen unter dem Patronat von Katherina der Großen.

1770 wurde die so genannte Bronzespedition in St. Petersburg gegründet. Der italienische Architekt Vicenzo Brenna arbeitete dort als Entwerfer und fertigte 1790 im Auftrag von Graf Scheremetjew die ersten Tische mit Malachit-Platten im Groteskenstil für den Ostankino Palast nahe Moskau an.

Sehr ähnliche Kompositionen lassen sich in den Inneneinrichtungen von Ostankino finden, die auf Entwürfe von Brenna zurückgehen und welche sowohl die gleichen Motive, als auch Formensprache aufweisen, wie der hier präsentierte Gueridon mit Karyatiden.

Brenna kam über Rom, wo er mit Quarenghi studierte, nach Warschau. Dort war er in den Diensten des Stanislaus Potocki und führte architektonische Arbeiten am königlichen Palast aus. Brenna arbeitete für Kronzprinz Paul in Pawlowsk bis 1797, ging 1783/84 bereits nach St. Petersburg und war am Michaels Palast von 1796 bis 1802 tätig. Seine Aufträge erhielt er über Martin-Eloi Lignereux in Paris. 1802 setzte sich Brenna mit der Pension aus seinen königlichen Aufträgen zur Ruhe und ging nach Dresden.

Der hier präsentierte Gueridon ist ein besonderes Beispiel für eine herausragende Bronzearbeit, die in der kaiserlichen Manufaktur in St. Petersburg um 1790 während der Regierung von Katherina der Großen geschaffen wurde. Vergleichbare Bronzen in Verbindung mit russischem Baikallasurit befinden sich im so genannten Lapislazulizimmer im Großen Palast von Tsarskoje Selo, in der Nähe von St. Petersburg, was die Verbindung mit den imperialen Werkstätten in St. Petersburg belegt.

Dieses äußerst kostbare Stück von kaiserlichem Rang verließ vermutlich als diplomatisches Geschenk das Zarenreich.

Prof. Dr. H. Ottomeyer, Autor zahlreicher Standardwerke u. a. von Ottomeyer / Pröschel, ‘Vergoldete Bronzen’, begutachtete den hier präsentierten Bronzetisch und bestätigt in seiner Expertise: „Alle Teile sind alt und zugehörig. Das Stück zeigt in allen Teilen durch Gebrauch, Reinigung und Luftfeuchtigkeit entstandene Alterung- und Korrissionsspuren, die in sich kohärent sind und für Authentizität sprechen.”

 

Gutachten:
Prof. Dr. Hans Ottomeyer, Berlin, Februar 2011

Literatur:

  • Katharina die Große, Kassel, Staatliche Museen, Ausstellungskat., 1997, hrsg. von H. Ottomeyer u. a., S. 346 f, Bronzekunst, Kat. Nr. 619 Konsoltisch mit Malachit- platte, Kat. Nr. 619, 611 Bronzevase und Inneneinrichtung
  • Vergoldete Bronzen – Meisterwerke aus Zarenschloss Peterhof, Ausstellungskat., Iphofen 1998
  • Ottomeyer, H.; Pröschel, P., Vergoldete Bronzen – Bronzearbeiten des Spät- barock und Klassizismus, München 1986, Kap. 4, Style étrusque
  • De Reyniès, Nicole, Le Ameublement Domestique, Bd. 1, Paris 1992, Kap. IV, S. 284 f
  • Chenevière, Antoine, Russian Furniture. The Golden Age 1780 – 1840, London 2001, S. 259

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Vergoldeter Bronzetisch mit Platten aus Lapislazuli auf Carrara-Marmor-Sockel

Vergoldeter Bronzetisch mit Platten aus Lapislazuli auf Carrara-Marmor-Sockel Vergoldeter Bronzetisch mit Platten aus Lapislazuli auf Carrara-Marmor-Sockel Vergoldeter Bronzetisch mit Platten aus Lapislazuli auf Carrara-Marmor-Sockel Vergoldeter Bronzetisch mit Platten aus Lapislazuli auf Carrara-Marmor-Sockel Vergoldeter Bronzetisch mit Platten aus Lapislazuli auf Carrara-Marmor-Sockel Vergoldeter Bronzetisch mit Platten aus Lapislazuli auf Carrara-Marmor-Sockel Vergoldeter Bronzetisch mit Platten aus Lapislazuli auf Carrara-Marmor-Sockel

Vergoldeter Bronzetisch mit Platten aus Lapislazuli auf Carrara-Marmor-Sockel

St. Petersburg, um 1790

gefertigt in der kaiserlichen Manufaktur, der sog. „Bronzespedition”, wohl nach Entwürfen von Vicenzo Brenna (Florenz 1745 - 1820 St. Petersburg)

Höhe 74,9 cm, Ø 55,8 cm

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Dieser Prunktisch leitet sich von dem seltenen Typus des table en gueridon à l’antique ab, welcher durch ein zweites, kleineres Tablar zwischen den drei Monopodien charakterisiert ist. Er ist im style étrusque ou arabesque gefertigt, einem Groteskenstil, der in Europa zwischen 1777 und 1800 aufkommt und auf romanische Vorbilder, die Mischwesenmotive darstellen, zurückgreift. Dieser Stil entsteht zuerst in Rom und verbreitet sich schnell über London (Robert Adam, Stuart, Revett) und Paris (Clérisseau, Bélanger, Dugourc) bis nach Sankt Petersburg (Cameron, Quarenghi, Brenna).

Der hier präsentierte Gueridon steht auf einem schweren, massiven Sockel aus Carrara- Marmor mit vergoldetem Bronzedekor und einer Metallplatte mit drei ‘englischen Rollen’ darunter – eine erfindungsreiche Konstruktion des 18. Jahrhunderts, die das Versetzen des Tisches ohne Anheben ermöglicht.

Die Platte besteht aus einer damals neu entdeckten Art russischen Lapislazulis, die auch als ‘Baikallasurit’ bekannt ist. Der Fundort befindet sich nordöstlich vom Baikalsee, der Steinbruch existierte seit 1784 und das Gestein konnte seit 1786 in der Schleifmühle von Kolyvan im Altaigebirge oder seit 1774 in der Schleifmühle von Jekaterinburg geschliffen und poliert werden, beide standen unter dem Patronat von Katherina der Großen.

1770 wurde die so genannte Bronzespedition in St. Petersburg gegründet. Der italienische Architekt Vicenzo Brenna arbeitete dort als Entwerfer und fertigte 1790 im Auftrag von Graf Scheremetjew die ersten Tische mit Malachit-Platten im Groteskenstil für den Ostankino Palast nahe Moskau an.

Sehr ähnliche Kompositionen lassen sich in den Inneneinrichtungen von Ostankino finden, die auf Entwürfe von Brenna zurückgehen und welche sowohl die gleichen Motive, als auch Formensprache aufweisen, wie der hier präsentierte Gueridon mit Karyatiden.

Brenna kam über Rom, wo er mit Quarenghi studierte, nach Warschau. Dort war er in den Diensten des Stanislaus Potocki und führte architektonische Arbeiten am königlichen Palast aus. Brenna arbeitete für Kronzprinz Paul in Pawlowsk bis 1797, ging 1783/84 bereits nach St. Petersburg und war am Michaels Palast von 1796 bis 1802 tätig. Seine Aufträge erhielt er über Martin-Eloi Lignereux in Paris. 1802 setzte sich Brenna mit der Pension aus seinen königlichen Aufträgen zur Ruhe und ging nach Dresden.

Der hier präsentierte Gueridon ist ein besonderes Beispiel für eine herausragende Bronzearbeit, die in der kaiserlichen Manufaktur in St. Petersburg um 1790 während der Regierung von Katherina der Großen geschaffen wurde. Vergleichbare Bronzen in Verbindung mit russischem Baikallasurit befinden sich im so genannten Lapislazulizimmer im Großen Palast von Tsarskoje Selo, in der Nähe von St. Petersburg, was die Verbindung mit den imperialen Werkstätten in St. Petersburg belegt.

Dieses äußerst kostbare Stück von kaiserlichem Rang verließ vermutlich als diplomatisches Geschenk das Zarenreich.

Prof. Dr. H. Ottomeyer, Autor zahlreicher Standardwerke u. a. von Ottomeyer / Pröschel, ‘Vergoldete Bronzen’, begutachtete den hier präsentierten Bronzetisch und bestätigt in seiner Expertise: „Alle Teile sind alt und zugehörig. Das Stück zeigt in allen Teilen durch Gebrauch, Reinigung und Luftfeuchtigkeit entstandene Alterung- und Korrissionsspuren, die in sich kohärent sind und für Authentizität sprechen.”

 

Gutachten:
Prof. Dr. Hans Ottomeyer, Berlin, Februar 2011

Literatur:

  • Katharina die Große, Kassel, Staatliche Museen, Ausstellungskat., 1997, hrsg. von H. Ottomeyer u. a., S. 346 f, Bronzekunst, Kat. Nr. 619 Konsoltisch mit Malachit- platte, Kat. Nr. 619, 611 Bronzevase und Inneneinrichtung
  • Vergoldete Bronzen – Meisterwerke aus Zarenschloss Peterhof, Ausstellungskat., Iphofen 1998
  • Ottomeyer, H.; Pröschel, P., Vergoldete Bronzen – Bronzearbeiten des Spät- barock und Klassizismus, München 1986, Kap. 4, Style étrusque
  • De Reyniès, Nicole, Le Ameublement Domestique, Bd. 1, Paris 1992, Kap. IV, S. 284 f
  • Chenevière, Antoine, Russian Furniture. The Golden Age 1780 – 1840, London 2001, S. 259