Schreibschrank
Leipzig, ca. 1786
Meisterstück des August Pletsch
aus Colmnar
Signiert und datiert auf der
Innenseite der linken Türfüllung
Blindholz in Rotkiefer, Erle und Eiche;
furniert mit
Nussbaum-, Nusswurzel-,
Kirschbaum, Palisander, Buchsbaum
sowie Ahorn, z. T. bunt
gefärbt und
graviert. Beschläge in Messing, ver-
goldet, ziseliert und graviert;
altes
facettiertes Spiegelglas, Geheimfächer.
Maße:
248 x 132,5 x 78 cm
Der prächtige, geschweift-gebauchte, sich leicht nach oben verjüngende und variationsreich in verschiedenen edlen Hölzern furnierte Schreibschrank gehört zu einer Reihe exponierter sächsischer Rokoko-Möbel und besticht durch seine interessante Gestaltung zwischen Rokoko und Klassizismus. Das Schreibmöbel besteht aus einem zweischübigen Kommodenuntersatz mit Kniemulde, einem Sekretärteil mit abklappbarer Schreibplatte sowie einem Schrankaufsatz mit zwei Spiegeltüren und dahinter liegendem Kabinett.
Ab 1733/34 verlangten die sächsischen Tischlerzünfte den Ende des 17. Jahrhunderts in England entwickelten Schreibschranktyp als Meisterstück. Bereits damals besaßen viele dieser Möbel Türen mit kostbaren und teuren Spiegelfüllungen aus den landeseigenen Spiegelhütten Dresden oder Friedrichsthal, welche dazu dienten, das Licht der damals nur schwer mit Kerzen zu erhellenden Räume, zu reflektieren. Derartige Schreibschränke gehörten sehr bald zum Meublement sächsischer Schlösser und Palais als Büro- oder Sammlungsmöbel.
Diese Möbelgruppe zu der noch einige andere, zumeist in Dresden gefertigte Arbeiten, zählen, entstand in der Zeit um 1750/60 und zeichnet sich durch eine besondere Verarbeitung sowohl im Äußeren, als auch im Inneren aus. Rückwände und Böden des Möbels sind bündig auf Rahmenfüllung gearbeitet. Ebenfalls in selbiger Technik aus Erlenholz sämtliche Schubläden, welche zudem noch rot eingefärbt sind. Von gleichfalls höchster Qualität sind die Innenflächen des Kabinetts und der großen Schubläden, welche allesamt feinste Furnierungen aus gefärbten und z. T. gravierten Edelhölzern aufweisen. Hinter herausnehmbaren Briefladen und zurückzuschiebenden Böden verbirgt sich eine Vielzahl von Geheimfächern. Den Höhepunkt jedoch bildet das Interieur des Kabinetts im Aufsatz. Öffnet man die verglaste Mitteltür, offenbart sich dem Betrachter eine Palastarchitektur als trete er in den Prunksaal eines Schlosses. Der mehrfärbige, reich mit geometrischen Mustern intarsierte Parkettboden wird zur linken und rechten Seite durch eine mit grünen Girlanden dekorierte Wandboiserie eingefasst. In Arkadennischen stehen Säulen mit Büsten sowie Gueridons mit Fruchtkörben – alles aus farbigen Hölzern intarsiert. Das Zentralmedaillon der Decke zeigt die Allegorie der Hoffnung, welche in dem rückseitigen, mit Vorhangdraperien eingefassten Spiegel reflektiert wird, der auch als Trompe-l’oeil die Größe des Saals multipliziert.
Das „ganz ápart inventierte kostbare” Meisterstück mit „prächtigem Aussehen” – zu denen der vorgestellte Schreibschrank gehört, galt seinerzeit als hochdotiertes und hochmodernes Möbel. Vermutlich auch deshalb erwarb die sächsische Kurprinzessin Maria Antonia solch einen Schreibschrank, das Meisterstück eines „Cabinett-Tischlers” für ihr Schmuckkabinett im Dresdener Taschenberg-Palais. Im Inventar von 1768 wurde das Möbel hier als ein „guter Schranck von raren Holz und 2 Spiegel Glaß Thüren, und um und um mit vergoldten Messing verzieret hat innewendig viele sichtbare und verborgene Fächer” beschrieben.
Literatur:
– G. Haase, Dresdener Möbel des 18. Jahrunderts, Leipzig 1983,
Kat.-Nr. 94, 97
– Christian Schatt, Möbelgutachten, Dresden 2005
– Stadtarchiv Leipzig, Ti C 56 „Unser neues Meisterstück zu
Leipzig”, 1788


