Möbel·Europäisches Kunsthandwerk·Gemälde

Kunsthandel Peter Mühlbauer
Schloss Schönburg | 94060 Pocking
Telefon +49 (0)8531 - 18 15 | Fax +49 (0)8531 - 133 00
petermuehlbauer@t-online.de | www.kunsthandel-muehlbauer.com

Möbel·Europäisches Kunsthandwerk·Gemälde

Fassadenschrank mit den allegorischen Darstellungen von Caritas, Fides und Spes

Regensburg, um 1730/40

Nussbaum, Maser- u. Wurzelholz, Kirschbaum, Buchsbaum, Palisander, Ebenholz u. Ahorn, z. T. brandschattiert und graviert; Elfenbein u. Zinn. Bänder u. Schloss reich graviert; vergoldete, bekrönte Schlüsselschilder.

267 (251) x 210 x 75 cm

Der hier präsentierte Schrank ist ein besonders schönes Beispiel für die Regensburger Möbelkunst in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Seine durch Pilaster und Ädikulen architektonisch gegliederte Fassade verbindet sich harmonisch mit einer reichen Marketerie, die sich am Korpus als Bandelwerk und in den Füllungen als figürliche Intarsie zeigt. Dargestellt sind die christlichen Tugenden: Zur Linken unter einem Baldachin auf einem Sockel stehend Fides (Glaube) mit den Attributen Kreuz und Buch – zur Rechten Spes (Hoffnung) mit dem Anker. Über ihnen steht als zentrales Motiv des Aufsatzes Caritas (Liebe) in der typischen Darstellung als sorgende Mutter mit ihren Kindern. Das Inkarnat der Allegorien ist in Elfenbein, das Kreuz aus Ebenholz und die Gewänder aus Buchsbaumholz ausgeführt; durch Brandschattierung, Gravuren und Schraffuren erzielte der Meister die hohe Plastizität der Figuren.

Bekrönt wird der Schrank von einem kunstvoll geschnitzten, durchbrochenen Aufsatz, der mit seinen Rocaillen einen reizvollen Kontrast zu der strengen Fassadenarchitektur bildet, und dessen Erhalt als äußerstes Rarissima anzusehen ist, da diese fragilen Bekrönungen bei fast allen barocken Prunkschränken dieser Art in späterer Zeit aus Gründen mangelnder Raumhöhe (bürgerlicher Wohnräume) oder Beschädigung abgenommen wurden und so verloren gingen.

Da die deutschen Möbel, anders als die französischen, keine Schlagstempel tragen, ist die Zuschreibung an einen Herstellungsort oder Schreiner meist nur über stilistische Vergleiche möglich. Dass es sich hier um den Regensburger Schranktypus handelt, lässt sich anhand architektonischer und konstruktiver Merkmale ableiten, die dieser mit einer Reihe von Schränken gemeinsam hat, die aufgrund ihrer Familienwappen eindeutig Regensburg zugeordnet werden können. Zudem geben die oberen Füllungen der Türen Aufschluss über den Entstehungsort: links ist der Reichsadler und rechts sind die gekreuzten Schlüssel des Regensburger Stadtwappens in die ovalen Zinnfelder der Ädikulen eingraviert.

Aus der Verordnung des Regensburger Hansgerichtes vom 22. Juli 1720 geht hervor, dass die Meisterstücke in Form eines Schrankes und eines Tisches zu fertigen waren. Beabsichtigte jedoch ein Schreinergeselle eine Witwe oder Tochter eines Regensburger Schreinermeisters zu heiraten, genügte als Meisterstück der Schrank, der die Kenntnis der Säulenordnung zeigen musste.

Die Umsetzung dieser Zunftvorgaben in der formalen Gestaltung und die handwerkliche Perfektion des hier präsentierten Schrankes weisen ihn eindeutig als ein Regensburger „Meisterstück“ aus. Ein in Aufbau und Intarsierung sehr ähnlicher Schrank befindet sich im Regensburger Stadtmuseum.

Kleiderschrank mit Elfenbein- und Zinneinlagen. Regensburg, um 1740. - Regensburg, Museum der Stadt.Provenienz:
Der Fassadenschrank stand bis zur Versteigerung bei Nagel Stuttgart am 15./16. Juni 1970 als Leihgabe im Rathaus von Ulm und stammt aus ehem. schwäbischen Adelsbesitz

Vgl. Literatur:
Kreisel/Himmelheber, Die Kunst des deutschen Möbels, 1970, Bd. II, Abb. 1129 und 1130 (die dort abgebildeten Schränke befinden sich im Museumsbesitz der Stadt Regensburg)

Kleiderschrank mit Elfenbein- und Zinneinlagen.
Regensburg, um 1740.
Regensburg, Museum der Stadt.

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Fassadenschrank mit den allegorischen Darstellungen von Caritas, Fides und Spes

Fassadenschrank mit den allegorischen Darstellungen von Caritas, Fides und Spes

Regensburg, um 1730/40

Nussbaum, Maser- u. Wurzelholz, Kirschbaum, Buchsbaum, Palisander, Ebenholz u. Ahorn, z. T. brandschattiert und graviert; Elfenbein u. Zinn. Bänder u. Schloss reich graviert; vergoldete, bekrönte Schlüsselschilder.

267 (251) x 210 x 75 cm

Der hier präsentierte Schrank ist ein besonders schönes Beispiel für die Regensburger Möbelkunst in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Seine durch Pilaster und Ädikulen architektonisch gegliederte Fassade verbindet sich harmonisch mit einer reichen Marketerie, die sich am Korpus als Bandelwerk und in den Füllungen als figürliche Intarsie zeigt. Dargestellt sind die christlichen Tugenden: Zur Linken unter einem Baldachin auf einem Sockel stehend Fides (Glaube) mit den Attributen Kreuz und Buch – zur Rechten Spes (Hoffnung) mit dem Anker. Über ihnen steht als zentrales Motiv des Aufsatzes Caritas (Liebe) in der typischen Darstellung als sorgende Mutter mit ihren Kindern. Das Inkarnat der Allegorien ist in Elfenbein, das Kreuz aus Ebenholz und die Gewänder aus Buchsbaumholz ausgeführt; durch Brandschattierung, Gravuren und Schraffuren erzielte der Meister die hohe Plastizität der Figuren.

Bekrönt wird der Schrank von einem kunstvoll geschnitzten, durchbrochenen Aufsatz, der mit seinen Rocaillen einen reizvollen Kontrast zu der strengen Fassadenarchitektur bildet, und dessen Erhalt als äußerstes Rarissima anzusehen ist, da diese fragilen Bekrönungen bei fast allen barocken Prunkschränken dieser Art in späterer Zeit aus Gründen mangelnder Raumhöhe (bürgerlicher Wohnräume) oder Beschädigung abgenommen wurden und so verloren gingen.

Da die deutschen Möbel, anders als die französischen, keine Schlagstempel tragen, ist die Zuschreibung an einen Herstellungsort oder Schreiner meist nur über stilistische Vergleiche möglich. Dass es sich hier um den Regensburger Schranktypus handelt, lässt sich anhand architektonischer und konstruktiver Merkmale ableiten, die dieser mit einer Reihe von Schränken gemeinsam hat, die aufgrund ihrer Familienwappen eindeutig Regensburg zugeordnet werden können. Zudem geben die oberen Füllungen der Türen Aufschluss über den Entstehungsort: links ist der Reichsadler und rechts sind die gekreuzten Schlüssel des Regensburger Stadtwappens in die ovalen Zinnfelder der Ädikulen eingraviert.

Aus der Verordnung des Regensburger Hansgerichtes vom 22. Juli 1720 geht hervor, dass die Meisterstücke in Form eines Schrankes und eines Tisches zu fertigen waren. Beabsichtigte jedoch ein Schreinergeselle eine Witwe oder Tochter eines Regensburger Schreinermeisters zu heiraten, genügte als Meisterstück der Schrank, der die Kenntnis der Säulenordnung zeigen musste.

Die Umsetzung dieser Zunftvorgaben in der formalen Gestaltung und die handwerkliche Perfektion des hier präsentierten Schrankes weisen ihn eindeutig als ein Regensburger „Meisterstück“ aus. Ein in Aufbau und Intarsierung sehr ähnlicher Schrank befindet sich im Regensburger Stadtmuseum.

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Kleiderschrank mit Elfenbein- und Zinneinlagen. Regensburg, um 1740. - Regensburg, Museum der Stadt.Provenienz:
Der Fassadenschrank stand bis zur Versteigerung bei Nagel Stuttgart am 15./16. Juni 1970 als Leihgabe im Rathaus von Ulm und stammt aus ehem. schwäbischen Adelsbesitz

Vgl. Literatur:
Kreisel/Himmelheber, Die Kunst des deutschen Möbels, 1970, Bd. II, Abb. 1129 und 1130 (die dort abgebildeten Schränke befinden sich im Museumsbesitz der Stadt Regensburg)

Kleiderschrank mit Elfenbein- und Zinneinlagen.
Regensburg, um 1740.
Regensburg, Museum der Stadt.