Möbel·Europäisches Kunsthandwerk·Gemälde

Kunsthandel Peter Mühlbauer
Schloss Schönburg | 94060 Pocking
Telefon +49 (0)8531 - 18 15 | Fax +49 (0)8531 - 133 00
petermuehlbauer@t-online.de | www.kunsthandel-muehlbauer.com

Möbel·Europäisches Kunsthandwerk·Gemälde

Jacob Marrel

1613/1614 Frankenthal – 1681 Frankfurt

BLUMENSTILLLEBEN IN STEINVASE
MIT EIDECHSE

Signiert unten links „JACOB MARREL”
Öl auf Leinwand      

67 x 50,5 cm

 

Jacob Marrell gehört mit seinem durch die calvinistische Herkunft geprägten Umfeld zur zweiten Generation der in Frankfurt und am Untermain im 17. Jh. tätigen Stilllebenmaler. Er kam 1627 als Dreizehnjähriger zu dem dort ansässigen und damals bedeutendsten deutschen Stilllebenmaler Georg Flegel in die Lehre. Nach Joachim von Sandrart’s Meinung übertraf er jedoch bald seinen Meister und ging um 1630 nach Utrecht, das in der ersten Hälfte des 17. Jh. ein bedeutendes Ausbildungszentrum für Künstler geworden war. Hier versah er als erstes Zeugnis seiner Anwesenheit ein „ANNO 1634“ datiertes Blumenstillleben mit dem Namen des Entstehungsortes „VTRECK“. Anfangs orientierte er sich besonders an der Blumen- und Stilllebenmalerei Ambrosius Bosscharts und Jan I. Davidsz. de Heems. Nach 1650 kehrte er nach Frankfurt zurück und gründete dort eine Werkstatt, in die auch Abraham Mignon als sein Schüler eintrat. Hier erhielt er 1651 das Bürgerrecht und heiratete im gleichen Jahr die Witwe Matthäus Merians, wodurch die berühmte Stilllebenmalerin Maria Sybilla Merian seine Stieftochter wurde.

Das Gemälde mit Tulpen, Lilien und anderen Blüten in einer reliefierten Bronzevase, das links auf der Marmorkante die Signatur „JACOB MARREL“ trägt, gehört zu den schönsten Stillleben der späten Schaffensperiode des Künstlers. Wie um die Kostbarkeit seiner Malerei zu erhöhen, hat der Maler als Bekrönung seiner Blumenpracht oben in der Mitte des Bouquets eine Kaiserkronen-Blüte zugefügt. Die seltene Blume aus der Gattung der Liliazeen wurde 1570 aus der Türkei nach Mitteleuropa eingeführt. Durch ihre Platzierung und den in ihrem Namen gegebenen Verweis auf einen Herrschaftsanspruch kontrastiert diese Blume mit der verwelkenden geflammten Tulpe unten, die schon einzelne Blütenblätter verloren hat. Mit diesem Vanitassymbol will der Maler die Flüchtigkeit des Seins aufzeigen. Die Eidechse wurde „als unreines Tier“ mit dem Bösen assoziiert und kann ebenso als ein Symbol für Vergänglichkeit gesehen werden. Im Unterschied dazu steht der Schmetterling links oben, ein Bärenspinner, für die Hoffnung, als Sinnbild für den Übergang der Seele in eine bessere Welt. Die Lilie in der oberen Bildhälfte verkörpert die Reinheit. So entsteht eine Polarisierung von oben nach unten - von der Sphäre des Heils zu der Sphäre des Bösen.

Der Aspekt der Seltenheit bestimmter Blumen spielte in der Vergangenheit eine besondere Rolle.  So spiegeln die Tulpen in diesem Gemälde die außerordentliche Popularität dieser Blumen im  17. Jahrhundert wider. Dies lässt sich exemplarisch an der so genannten „Tulpomania“ nachweisen, die zu dieser Zeit in Holland herrschte. Und zwar legten die vielen namhaften Stilllebenmaler sowohl der Schönheit der dargestellten Tulpenart als auch dem in diesen Blumen verkörperten Tauschwert eine besondere Bedeutung bei. Nach 1630 kam in Holland ein intensiver Tulpenzwiebelhandel auf, mit dem sich auch Jacob Marrell beschäftigte. Er benutzte seine malerischen Fähigkeiten zur Vorstellung und Propagierung dieser Blume in mehreren Aquarellbüchern, und daher spielen gemalte Tulpen auch in seinem Werk eine große Rolle. Um 1629 kannte man von diesen in Holland schon 140 Spielarten. Die Preise der Tulpenzwiebeln, die nicht real, sondern wie Aktien gehandelt wurden, waren nach deren Gewicht bemessen und zwar nach dem As der Goldschmiede (ca. 4,8 Zentigramm). Nicht nur Blumenhändler, sondern Vertreter aller Stände beteiligten sich an dieser Gewinn verheißenden Spekulation, die 1637 ihren Zenit erreichte und extrem hohe Preise für die Zwiebeln bezahlt wurden. Als dann plötzlich der Markt zusammenbrach wurden zahllose Spekulanten in den Ruin getrieben.

In Marrells um 1660/65 gemaltem Blumenstillleben entfaltet sich eine aus der präzisen Naturbeobachtung entwickelte prächtige Farbigkeit, die seine Bilder schon zu ihrer Entstehungszeit zu begehrten Sammelobjekten auf dem internationalen Markt machte.

Provenienz:
Privatbesitz, Berlin

Gutachten:
Ingvar Bergstöm, 1989
Dr. Gerhard Bott, 2010

Literatur:
Gerhard Bott, Die Stillebenmaler Soreau, Binoit, Codino und  in Hanau und Frankfurt 1600-1650, Hanau 2001

Kunsthandel Peter Mühlbauer
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Jacob Marrel

Jacob Marrel

1613/1614 Frankenthal – 1681 Frankfurt

BLUMENSTILLLEBEN IN STEINVASE
MIT EIDECHSE

Signiert unten links „JACOB MARREL”
Öl auf Leinwand      

67 x 50,5 cm

 

Jacob Marrell gehört mit seinem durch die calvinistische Herkunft geprägten Umfeld zur zweiten Generation der in Frankfurt und am Untermain im 17. Jh. tätigen Stilllebenmaler. Er kam 1627 als Dreizehnjähriger zu dem dort ansässigen und damals bedeutendsten deutschen Stilllebenmaler Georg Flegel in die Lehre. Nach Joachim von Sandrart’s Meinung übertraf er jedoch bald seinen Meister und ging um 1630 nach Utrecht, das in der ersten Hälfte des 17. Jh. ein bedeutendes Ausbildungszentrum für Künstler geworden war. Hier versah er als erstes Zeugnis seiner Anwesenheit ein „ANNO 1634“ datiertes Blumenstillleben mit dem Namen des Entstehungsortes „VTRECK“. Anfangs orientierte er sich besonders an der Blumen- und Stilllebenmalerei Ambrosius Bosscharts und Jan I. Davidsz. de Heems. Nach 1650 kehrte er nach Frankfurt zurück und gründete dort eine Werkstatt, in die auch Abraham Mignon als sein Schüler eintrat. Hier erhielt er 1651 das Bürgerrecht und heiratete im gleichen Jahr die Witwe Matthäus Merians, wodurch die berühmte Stilllebenmalerin Maria Sybilla Merian seine Stieftochter wurde.

Das Gemälde mit Tulpen, Lilien und anderen Blüten in einer reliefierten Bronzevase, das links auf der Marmorkante die Signatur „JACOB MARREL“ trägt, gehört zu den schönsten Stillleben der späten Schaffensperiode des Künstlers. Wie um die Kostbarkeit seiner Malerei zu erhöhen, hat der Maler als Bekrönung seiner Blumenpracht oben in der Mitte des Bouquets eine Kaiserkronen-Blüte zugefügt. Die seltene Blume aus der Gattung der Liliazeen wurde 1570 aus der Türkei nach Mitteleuropa eingeführt. Durch ihre Platzierung und den in ihrem Namen gegebenen Verweis auf einen Herrschaftsanspruch kontrastiert diese Blume mit der verwelkenden geflammten Tulpe unten, die schon einzelne Blütenblätter verloren hat. Mit diesem Vanitassymbol will der Maler die Flüchtigkeit des Seins aufzeigen. Die Eidechse wurde „als unreines Tier“ mit dem Bösen assoziiert und kann ebenso als ein Symbol für Vergänglichkeit gesehen werden. Im Unterschied dazu steht der Schmetterling links oben, ein Bärenspinner, für die Hoffnung, als Sinnbild für den Übergang der Seele in eine bessere Welt. Die Lilie in der oberen Bildhälfte verkörpert die Reinheit. So entsteht eine Polarisierung von oben nach unten - von der Sphäre des Heils zu der Sphäre des Bösen.

Der Aspekt der Seltenheit bestimmter Blumen spielte in der Vergangenheit eine besondere Rolle.  So spiegeln die Tulpen in diesem Gemälde die außerordentliche Popularität dieser Blumen im  17. Jahrhundert wider. Dies lässt sich exemplarisch an der so genannten „Tulpomania“ nachweisen, die zu dieser Zeit in Holland herrschte. Und zwar legten die vielen namhaften Stilllebenmaler sowohl der Schönheit der dargestellten Tulpenart als auch dem in diesen Blumen verkörperten Tauschwert eine besondere Bedeutung bei. Nach 1630 kam in Holland ein intensiver Tulpenzwiebelhandel auf, mit dem sich auch Jacob Marrell beschäftigte. Er benutzte seine malerischen Fähigkeiten zur Vorstellung und Propagierung dieser Blume in mehreren Aquarellbüchern, und daher spielen gemalte Tulpen auch in seinem Werk eine große Rolle. Um 1629 kannte man von diesen in Holland schon 140 Spielarten. Die Preise der Tulpenzwiebeln, die nicht real, sondern wie Aktien gehandelt wurden, waren nach deren Gewicht bemessen und zwar nach dem As der Goldschmiede (ca. 4,8 Zentigramm). Nicht nur Blumenhändler, sondern Vertreter aller Stände beteiligten sich an dieser Gewinn verheißenden Spekulation, die 1637 ihren Zenit erreichte und extrem hohe Preise für die Zwiebeln bezahlt wurden. Als dann plötzlich der Markt zusammenbrach wurden zahllose Spekulanten in den Ruin getrieben.

In Marrells um 1660/65 gemaltem Blumenstillleben entfaltet sich eine aus der präzisen Naturbeobachtung entwickelte prächtige Farbigkeit, die seine Bilder schon zu ihrer Entstehungszeit zu begehrten Sammelobjekten auf dem internationalen Markt machte.

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Provenienz:
Privatbesitz, Berlin

Gutachten:
Ingvar Bergstöm, 1989
Dr. Gerhard Bott, 2010

Literatur:
Gerhard Bott, Die Stillebenmaler Soreau, Binoit, Codino und  in Hanau und Frankfurt 1600-1650, Hanau 2001