Möbel·Europäisches Kunsthandwerk·Gemälde

Kunsthandel Peter Mühlbauer
Schloss Schönburg | 94060 Pocking
Telefon +49 (0)8531 - 18 15 | Fax +49 (0)8531 - 133 00
petermuehlbauer@t-online.de | www.kunsthandel-muehlbauer.com

Möbel·Europäisches Kunsthandwerk·Gemälde

Aufsatz-Sekretär sog. Cantourgen

Mainz, um 1760
Umkreis des Jakob Antz (1726-1788)

mit dem Wappen des Kurfürsten Clemens August von Bayern (1700-1761)  

Nussbaummaser- und -wurzelholz, Palisander, Buchsbaum, Ahorn, z.T. gefärbt, graviert, Zinn, Sepiamalerei, vergoldete Bronzen.  

180 x 107 x 52,5 cm

Der Typ des Mainzer Rokoko-Schreibschrankes, das so genannte Cantourgen, repräsentiert den Höhepunkt deutscher Möbelkunst des 18. Jahrhunderts. Der Begriff ‚Cantourgen’ leitet sich von dem Wort „Kantor” oder ‚Cantour’ ab, was einen Schreibtisch oder ein -büro bezeichnet. Die Nachsilbe „gen” ist eine typische Mainzer Verkleinerungsform welche dann mit „Cantourgen” ein kleines Schreibbüro meint.

Das wesentliche stilistische Merkmal sind die im Winkel von 45 Grad nach außen gestellten Lisenen, welche nach oben hin in korinthischen Kompositkapitellen enden sowie die nach unten zur Schreibklappe hin ziehenden Henkelvoluten. Diese bilden eine Achse, welche sich von den geschwungenen lisenenartigen Füßen des Unterteils über das Mittelteil sowie den Aufsatz zu den fast frei schwingenden C-Voluten des geschwungenen Giebels hinzieht. Diese Raffinesse lässt das Möbel optisch höher wirken.

Der Möbeltyp des Cantourgen war in dieser Zeit über Jahrzehnte hinweg das gängige Meisterstück. Ganz gewiss waren diese aufwendigen Stücke keine bürgerlichen Möbel, sondern nur für höhere Stände bestimmt. Die Geschmeidigkeit der Formen, die teilweise ineinander schwingenden, fast schwebenden Teile, das nach oben Aufstreben mit sich verjüngender Tiefe des Möbels verleihen diesem Mainzer Cantourgen eine beinahe unübertreffliche Eleganz und spiegeln in ihm den Geist des Rokoko wider.

Die Mitteltür des Aufsatzes, der sich über dem Schreibpult erhebt, wird von einem Intarsienbild geschmückt, das den Blick in eine Säulenhalle zeigt. In dieser ist das Wappen des Kurfürsten Clemens August von Bayern mit dem Hochmeisterkreuz angebracht. Im viergeteilten bayerischen Wappenschild ist zweimal der springende Löwe in Seitenansicht erkennbar und zweimal das Rautenmuster.

Im Mittelpunkt der Zeichnung ist ein Thronsessel, wie er einem regierenden Fürsten zukommt. Aufgestellt ist er aber in einem angedeuteten Kirchenraum mit Empore und Posaunenengel über dem Thron, somit bestimmt für einen weltlich regierenden Kirchenfürsten.

Einstiger Bestimmungsort des fürstlichen Möbels könnte die Deutschordensresidenz in Mergentheim oder das Ordensschloss in Ellingen, auch das Haus des Deutschen Ordens in Mainz sowie Schloss Augustusburg in Brühl gewesen sein.

Provenienz:
Privatbesitz Bamberg
bis ca. 1950 Privatbesitz Süddeutschland

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Aufsatz-Sekretär sog. Cantourgen

Aufsatz-Sekretär sog. Cantourgen

Mainz, um 1760
Umkreis des Jakob Antz (1726-1788)

mit dem Wappen des Kurfürsten Clemens August von Bayern (1700-1761)  

Nussbaummaser- und -wurzelholz, Palisander, Buchsbaum, Ahorn, z.T. gefärbt, graviert, Zinn, Sepiamalerei, vergoldete Bronzen.  

180 x 107 x 52,5 cm

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Der Typ des Mainzer Rokoko-Schreibschrankes, das so genannte Cantourgen, repräsentiert den Höhepunkt deutscher Möbelkunst des 18. Jahrhunderts. Der Begriff ‚Cantourgen’ leitet sich von dem Wort „Kantor” oder ‚Cantour’ ab, was einen Schreibtisch oder ein -büro bezeichnet. Die Nachsilbe „gen” ist eine typische Mainzer Verkleinerungsform welche dann mit „Cantourgen” ein kleines Schreibbüro meint.

Das wesentliche stilistische Merkmal sind die im Winkel von 45 Grad nach außen gestellten Lisenen, welche nach oben hin in korinthischen Kompositkapitellen enden sowie die nach unten zur Schreibklappe hin ziehenden Henkelvoluten. Diese bilden eine Achse, welche sich von den geschwungenen lisenenartigen Füßen des Unterteils über das Mittelteil sowie den Aufsatz zu den fast frei schwingenden C-Voluten des geschwungenen Giebels hinzieht. Diese Raffinesse lässt das Möbel optisch höher wirken.

Der Möbeltyp des Cantourgen war in dieser Zeit über Jahrzehnte hinweg das gängige Meisterstück. Ganz gewiss waren diese aufwendigen Stücke keine bürgerlichen Möbel, sondern nur für höhere Stände bestimmt. Die Geschmeidigkeit der Formen, die teilweise ineinander schwingenden, fast schwebenden Teile, das nach oben Aufstreben mit sich verjüngender Tiefe des Möbels verleihen diesem Mainzer Cantourgen eine beinahe unübertreffliche Eleganz und spiegeln in ihm den Geist des Rokoko wider.

Die Mitteltür des Aufsatzes, der sich über dem Schreibpult erhebt, wird von einem Intarsienbild geschmückt, das den Blick in eine Säulenhalle zeigt. In dieser ist das Wappen des Kurfürsten Clemens August von Bayern mit dem Hochmeisterkreuz angebracht. Im viergeteilten bayerischen Wappenschild ist zweimal der springende Löwe in Seitenansicht erkennbar und zweimal das Rautenmuster.

Im Mittelpunkt der Zeichnung ist ein Thronsessel, wie er einem regierenden Fürsten zukommt. Aufgestellt ist er aber in einem angedeuteten Kirchenraum mit Empore und Posaunenengel über dem Thron, somit bestimmt für einen weltlich regierenden Kirchenfürsten.

Einstiger Bestimmungsort des fürstlichen Möbels könnte die Deutschordensresidenz in Mergentheim oder das Ordensschloss in Ellingen, auch das Haus des Deutschen Ordens in Mainz sowie Schloss Augustusburg in Brühl gewesen sein.

Provenienz:
Privatbesitz Bamberg
bis ca. 1950 Privatbesitz Süddeutschland